
Der FIAS Therapieansatz
Die FIAS-Intensivtherapie wirkt auf starre, entwicklungshemmende Verhaltensweisen ein. Es werden nachhaltige Veränderungen eingeleitet, welche dem autistischen Kind zu einer möglichst optimalen Entwicklung verhelfen. Nach Möglichkeit wird die Integration in eine reguläre Spielgruppe oder einen Kindergarten angestrebt.
Die FIAS-Therapiemethode fokussiert auf die wechselseitige sozial-emotionale Beziehungsgestaltung und die zugrundeliegende Motivationsbildung. Bei den Eltern wird speziell auf die Erweiterung ihres Verständnisses und die Entwicklung neuer Strategien im Umgang mit dem betroffenen Kind geachtet, welche zu Hause umgesetzt und fortlaufend angepasst werden.
FIAS stützt sich auf die therapeutische Methode, die am
Mifne-Center
in Israel seit 1987 erfolgreich angewendet wird.
Das Vorgehen
Die zweijährige intensive Frühintervention im FIAS-Therapiezentrum umfasst eine Initial-, eine Aufbau- und eine Vertiefungsphase.
Die Initialphase
Die Initialphase beinhaltet eine erste Anleitung zu Strukturierung im Alltag, Spiel und Videoaufnahmen durch Hausbesuche und Videokonferenzen. Erste Einschätzungen, Erfahrungen und Schwerpunkte werden am Ende als Vorbereitung für die Aufbauphase formuliert.
Die Aufbauphase
Während der zweiwöchigen teilstationären Aufbauphase ist die gesamte Kernfamilie anwesend und hat eine möblierte Wohnung in Muttenz zur Verfügung. Das Kind verbringt sechs Stunden täglich im Spieltherapie-Raum. Dort sind sensorische Reize und externe Stimuli stark reduziert, wodurch die Aufmerksamkeit einfacher auf die wechselseitige Interaktion zwischen Eltern, TherapeutIn und Kind gelenkt werden kann. Somit wird in einer speziell angepassten Umgebung gearbeitet, die der Überwindung von Wahrnehmungs- und Kontaktschwierigkeiten sowie der Motivation des Kindes zu wechselseitigem Spiel dient. Gleichzeitig wird auch den Aktivitäten des täglichen Lebens und der Selbständigkeit ausreichend Zeit gewidmet. Wenn Geschwisterkinder vorhanden sind, werden diese individuell betreut. Sie haben die Möglichkeit zu spielen, schulische Aufgaben oder Projektarbeiten auszuführen. Sie werden punktuell in den Gesamtprozess integriert und erfahren zudem Spieleinheiten mit ihrem autistischen Geschwister zusammen.
Die Vertiefungsphase
In der anschliessenden Vertiefungsphase sind die Schwerpunkte der FIAS-Therapie die Unterstützung bei der Strukturierung des Alltags, die Umsetzung von Spiel- und Alltagssituationen sowie die Erarbeitung neuer Bewältigungsstrategien. Die Eltern (oder von ihnen ausgewählte Personen) führen täglich Spieleinheiten und Selbständigkeitstraining zu Hause durch. Diese Sequenzen werden regelmässig videografiert und mit dem für sie zuständigen Vertiefungstherapeuten besprochen.
Einbezug der Eltern
Schwerpunkte in der Elternarbeit in den zwei Jahren
- Schulung der Eltern in der Beobachtung ihres Kindes
- Verständnis für die kindspezifische Autismus Symptomatik erweitern
- Reflexion eigener Verhaltensweisen und damit einhergehender Gefühlszustände sowie deren Wirkung auf ihr Kind / ihre Kinder
- Einzel- und Elterngespräche zur vertieften Klärung und konkreten Festlegung der Veränderungsmöglichkeiten
- Regelmässige Videoanalysen zur Interaktion
- FIAS-Elterngruppen zu spezifischen Themen
Alle diese Elemente sind entscheidend zur Einführung, Sicherung von bestehenden und neuen Fortschritten/Zielen zu Hause.
Während der Aufbauphase im Zentrum
Die Eltern haben die Möglichkeit, Spieltherapiesequenzen mit dem autistischen Kind hinter dem Einwegspiegel oder über einen Monitor anzuschauen. Von einer sie begleitenden Therapeutin erhalten sie Anleitungen zur Beobachtungsschulung, Erklärungen zu den spezifischen Reaktionsweisen ihres Kindes und können durch die Therapeutin als ein anderes Modell neue Wege im Umgang mit ihrem Kind finden (Lernen am Modell).
Selbstreflexion
Des Weiteren erhalten die Eltern die Gelegenheit zur Selbstreflexion über die von ihnen selbst gestalteten Spielsequenzen mit dem autistischen Kind. Diese hat zum Ziel, einerseits die Einsicht in die eigenen Empfindungen und Verhaltensweisen zu eröffnen, andererseits die Wechselseitigkeit und gegenseitige Beeinflussung in der Beziehung zum Kind zu entdecken und Veränderungsmöglichkeiten aufzuzeigen.
Ergänzend finden mehrmals wöchentlich Einzel- und Elterngespräche statt, welche zur vertieften Auseinandersetzung mit den kind- und familienspezifischen Themen dienen und mehr informativen Charakter haben (ASS und ihre Auswirkungen, Gestaltung des Alltages, Umsetzung von Regeln, Konsequenzen etc.).
Die Relationale Spieltherapie
In der individuellen Spieltherapie wird das autistische Kind in einem besonders angepassten Therapieraum intensiv gefördert. Der Kerngedanke der Relationalen Spieltherapie nach FIAS ist das Bestreben, mit dem Kind eine auf Vertrauen basierende Beziehung aufzubauen, die dann eine primäre Gestaltung und graduelle Erweiterung des wechselseitigen Spiels ermöglicht. Hierbei steht im Vordergrund, dem Kind das Vergnügen am gemeinsamen Spiel und die daraus resultierende gegenseitige Freude zugänglich zu machen und es für soziale Interaktion zu motivieren.
Wissenschaftliche Begleitforschung
Die wissenschaftliche Begleitforschung am FIAS-Therapiezentrum konzentriert sich auf die fachliche Evaluation des Therapieangebotes und dient der Qualitätssicherung. Sie umfasst folgende Elemente:
- Erfassung der Veränderungsprozesse in der Eltern-Kind- und in der Therapeuten-Kind-Interaktion während der FIAS-Behandlung mit Hilfe standardisierter Evaluations-Instrumente sowie eigens entwickelter spezifischer Video-Analysen.
- Qualitative und quantitative Kontrollen während Jahren nach Abschluss der intensiven FIAS-Interventionen, um zu überprüfen, wie sich die unmittelbaren Effekte der FIAS-Behandlungen langfristig auf die Lebensqualität und die gesamte Lebenssituation der Kinder und ihrer Eltern auswirken.
Die kurz- und langfristigen Ergebnisse der FIAS-Behandlungen werden in Zusammenarbeit mit den
Basler Universitären Psychiatrischen Kliniken (UPK) und weiteren Fachpersonen analysiert und an wissenschaftlichen Kongressen sowie in der Fachliteratur publiziert. Die UPK sind wirtschaftlich nicht mit dem FIAS-Therapiezentrum verbunden, stellen aber eine für die medizinischen Aspekte der FIAS-Behandlungen verantwortliche Ärztin und besorgen die Personaladministration.